Ein Schlaganfall, ein schwerer Sturz, ein plötzlicher Demenzschub: Von einem Tag auf den anderen sind Eltern oder Partner pflegebedürftig. Die meisten Familien sind unvorbereitet. Sie müssen gleichzeitig den emotionalen Schock verarbeiten und schnell viele Entscheidungen treffen. Dieser Notfallplan in 7 Schritten gibt Orientierung.
Schritt 1: Krankenhaus-Sozialdienst kontaktieren
Solange Ihre Angehörige im Krankenhaus liegt, ist der Krankenhaus-Sozialdienst Ihre erste Anlaufstelle. Jedes Krankenhaus hat einen, kostenfrei.
Was der Sozialdienst macht: - Klärt den Bedarf an Pflege, Reha oder Hospiz nach Entlassung - Beantragt eine Anschluss-Heilbehandlung (Reha) - Organisiert Kurzzeitpflege - Hilft beim Pflegegrad-Eilantrag - Vermittelt ambulante PflegediensteFragen Sie auf Station nach. In Frankfurter Krankenhäusern erreichen Sie den Sozialdienst meist über die Stationsleitung.
Schritt 2: Pflegegrad im Eilverfahren beantragen
Im akuten Fall greift ein verkürztes Begutachtungsverfahren. Der MD muss innerhalb einer Woche begutachten, nicht 25 Arbeitstage.
So gehen Sie vor:
- Anruf bei der Pflegekasse (sitzt bei der Krankenkasse)
- Antrag formlos: "Wir beantragen Pflegeleistungen im Eilverfahren wegen akuter Pflegebedürftigkeit nach [Diagnose]."
- Kopie des Entlassungsberichts beilegen oder nachsenden
- Der MD meldet sich innerhalb weniger Tage
Detaillierte Anleitung in unserem Artikel Pflegegrad beantragen: Schritt-für-Schritt.
Schritt 3: Übergangspflege organisieren
Zwischen Krankenhausentlassung und endgültiger Pflege gibt es oft eine Lücke. Drei Optionen:
Reha (Anschluss-Heilbehandlung)
Bei vielen Diagnosen, vor allem nach Schlaganfall, ist eine stationäre oder ambulante Reha möglich, vom Sozialdienst beantragt. Dauer: 3 bis 6 Wochen.
Kurzzeitpflege
Ist die Reha abgeschlossen oder nicht möglich, kann eine Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim die Zeit überbrücken. Voraussetzung ist mindestens Pflegegrad 2. Bis zu 8 Wochen pro Jahr, Topf 3.539 € gemeinsam mit der Verhinderungspflege. Details in unserem Artikel Kurzzeitpflege beantragen.
Übergangspflege direkt aus dem Krankenhaus
Seit 2023 gibt es § 39e SGB V: Wenn keine Kurzzeitpflege verfügbar ist, kann das Krankenhaus die Pflege selbst um bis zu 10 Tage verlängern.
Schritt 4: Häusliche Pflege vorbereiten
Wenn Reha und Kurzzeitpflege abgeschlossen sind, geht es darum, wie es zu Hause weitergeht. Wichtige Fragen:
- Wer übernimmt die Pflege (Angehörige, Pflegedienst, beides)?
- Welche Hilfsmittel werden gebraucht (Pflegebett, Toilettenstuhl, Rollator)?
- Welche Wohnungsanpassungen sind nötig (Haltegriffe, Schwellenabbau)?
- Welcher Pflegedienst übernimmt?
Tipp: Vereinbaren Sie ein kostenfreies Erstgespräch mit 2 bis 3 Pflegediensten in Frankfurt, bevor Sie sich entscheiden. Was Sie dabei fragen sollten, steht in unserem Artikel Pflegedienst in Frankfurt: Auswahl-Checkliste.
Schritt 5: Hilfsmittel beschaffen
Die Pflegekasse bezahlt vieles, wenn der Pflegegrad anerkannt ist:
- Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (Handschuhe, Bettschutz): 42 € monatlich, Pflegebox kostenlos
- Technische Pflegehilfsmittel (Pflegebett, Rollstuhl, Hausnotruf): leihweise oder mit 10 % Zuzahlung, max. 25 €
- Hausnotruf: 25,50 € monatlicher Zuschuss, Details
- Wohnumfeld-Verbesserung (Haltegriffe, Treppenlift): bis 4.000 € pro Maßnahme
Schritt 6: Geld klären
Pflege kostet. Gleichzeitig stehen viele Leistungen zur Verfügung. Eine Übersicht ab Pflegegrad 2:
| Leistung | Pflegegrad 2 | Pflegegrad 5 |
|---|---|---|
| Pflegegeld | 347 € | 990 € |
| Sachleistung | 796 € | 2.299 € |
| Entlastungsbetrag | 131 € | 131 € |
| Verhinderungs-/Kurzzeitpflege | 3.539 € pro Jahr | 3.539 € pro Jahr |
| Tagespflege | 721 € | 2.085 € |
| Hausnotruf | 25,50 € | 25,50 € |
| Pflegehilfsmittel | 42 € | 42 € |
Bei knapper Rente prüfen Sie zusätzlich:
- Hilfe zur Pflege beim Sozialamt (wenn Pflegekasse plus Eigenanteil nicht reichen)
- Wohngeld oder Grundsicherung im Alter
- Pflege-Pauschbetrag in der Steuererklärung der Angehörigen (bis 1.800 € jährlich)
Schritt 7: Langfristige Pflege organisieren
Nach den ersten 4 bis 6 Wochen sollte ein stabiles System stehen. Typische Konstellationen:
Familie pflegt selbst. Pflegegeld läuft auf das Konto. Beratungsbesuch §37.3 SGB XI ist Pflicht (alle 6 Monate bei Pflegegrad 2 und 3, alle 3 Monate bei 4 und 5). Verhinderungspflege als Auszeit nutzen.Pflegedienst übernimmt. Pflegesachleistung läuft direkt mit der Pflegekasse. Familie unterstützt.Kombileistung. Pflegedienst und Familie teilen sich die Pflege. Diese Mischform ist in Frankfurt am häufigsten.Was Sebat im Notfall macht
Wenn Sie eine kurzfristige Übernahme in Frankfurt brauchen, übernehmen wir die Pflege oft schon innerhalb von 24 bis 72 Stunden. Unsere Pflegefachkräfte besuchen Sie für ein Erstgespräch, klären den Pflegebedarf, beantragen mit Ihnen die nötigen Leistungen und starten dann mit der Pflege.
Häufige Fragen
Wir haben noch keinen Pflegegrad. Können wir trotzdem einen Pflegedienst engagieren? +
Ja. Der Pflegedienst kann auf Privatrechnung starten. Wird der Pflegegrad rückwirkend anerkannt, übernimmt die Pflegekasse die Kosten ab Antragsmonat.
Wer hilft uns mit allen Anträgen? +
Pflegestützpunkte (in Frankfurt: Sandweg 17, 60316 Frankfurt am Main) beraten kostenfrei. Auch ambulante Pflegedienste übernehmen die Antragstellung mit, wir bei Sebat tun das standardmäßig.
Wie schnell kommt ein Pflegedienst? +
In Frankfurt typischerweise innerhalb von 24 bis 72 Stunden. Bei Sebat versuchen wir bei Notfällen, am gleichen oder nächsten Tag zu starten.
Müssen wir das Pflegeheim wählen? +
Nein. Häusliche Pflege ist meist erste Wahl und wird von der Pflegekasse höher bezuschusst. Erst wenn häusliche Pflege nicht möglich ist (zu hoher Pflegeaufwand, niemand zu Hause), wird das Pflegeheim diskutiert.
Was, wenn die Renten nicht reichen? +
Das Sozialamt prüft Anspruch auf "Hilfe zur Pflege". Voraussetzung: Pflegekasse-Leistungen und Eigenes reichen nicht aus. Vermögen und Renten werden geprüft.
Können Angehörige Pflegezeit nehmen? +
Ja, Pflegezeit nach Pflegezeitgesetz (bis 6 Monate unbezahlte Freistellung) oder Familienpflegezeit (bis 24 Monate Teilzeit). Vom Arbeitgeber 10 Tage Akutpflegezeit pro Jahr mit Lohnersatz (Pflegeunterstützungsgeld).
Was kostet ein Pflegedienst privat? +
Die Stundensätze in Frankfurt liegen 2026 bei rund 45 bis 65 € pro Stunde Grundpflege. Bei Behandlungspflege ist es teurer, bei Hauswirtschaft günstiger. Mit Pflegegrad zahlt die Pflegekasse den Sachleistungsbetrag direkt, Sie tragen nur eventuelle Mehrkosten.
Bekommen wir Beratung kostenfrei? +
Ja. Pflegekasse, Pflegestützpunkt und gute Pflegedienste beraten kostenfrei. Bei Sebat ist die Erstberatung immer unverbindlich und ohne Kosten.
Wir sind in Frankfurt für Sie da
Wenn Sie gerade in einer akuten Situation stecken: Rufen Sie uns an. Wir geben Ihnen am Telefon eine erste Einschätzung, was als Nächstes zu tun ist, und können bei Bedarf am nächsten Tag vor Ort sein.
Stand Mai 2026 · Rechtsgrundlagen § 18 SGB XI (Eilbegutachtung), § 39e SGB V (Übergangspflege), Pflegezeitgesetz.



