Mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen leidet zeitweise unter starker Erschöpfung. Etwa 20 Prozent entwickeln Burnout-Symptome, Depression oder körperliche Erkrankungen. Hier finden Sie die wichtigsten Warnzeichen, einen Selbst-Check und konkrete Hilfsangebote 2026.
Pflege belastet anders als ein Job
Wer 8 Stunden im Büro arbeitet, geht abends nach Hause. Pflege endet nie. Sie verlangt körperliche Kraft, emotionale Präsenz und ständige Wachsamkeit. Studien zeigen, dass pflegende Angehörige häufiger an Bluthochdruck, Diabetes und Herzinfarkt erkranken als die Allgemeinbevölkerung im gleichen Alter.
10 Warnzeichen für Burnout
1. Anhaltende Erschöpfung
Müdigkeit, die mit Schlaf nicht mehr weggeht. Aufstehen fällt schwer, der Tag fühlt sich an wie durch Watte.2. Schlafprobleme
Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, nächtliches Grübeln. Oft kombiniert mit nächtlichen Pflegeunterbrechungen.3. Reizbarkeit
Kleinigkeiten lösen heftige Reaktionen aus. Wutausbrüche gegenüber der pflegebedürftigen Person, gegenüber Kindern, gegenüber Kollegen.4. Sozialer Rückzug
Freunde melden sich seltener, Sie selbst rufen niemanden mehr an. Termine werden abgesagt.5. Gefühl der Sinnlosigkeit
Das, was Sie tagtäglich tun, fühlt sich nicht mehr wertvoll an. Ein Zeichen für sich abbauende emotionale Reserven.6. Körperliche Symptome
Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, häufige Infekte, Verdauungsbeschwerden. Der Körper sendet Signale.7. Konzentrationsprobleme
Vergessen von Terminen, mehrmaliges Verlieren der Schlüssel, Schwierigkeiten beim Lesen oder einfachem Rechnen.8. Schuldgefühle
"Ich pflege nicht gut genug." Selbstvorwürfe nehmen zu, oft trotz objektiv gut gemachter Pflege.9. Verlust von Freude
Dinge, die früher Freude gemacht haben (Musik, Sport, Garten, Lesen), funktionieren nicht mehr.10. Gedanken an Aufgabe oder Flucht
"Ich kann nicht mehr." Bei akuten Suizidgedanken sofort Notaufnahme oder 116 117 anrufen.Selbst-Check
- 0 bis 2 Symptome: Belastung im Rahmen, weiter beobachten
- 3 bis 5 Symptome: Erhöhte Belastung, Entlastung organisieren
- 6 bis 8 Symptome: Burnout-Risiko hoch, ärztliche Beratung
- 9 oder mehr Symptome: Akute Krise, sofort Hilfe holen
Konkrete Entlastungs-Möglichkeiten 2026
Verhinderungspflege
3.539 Euro pro Jahr aus dem gemeinsamen Jahresbetrag mit Kurzzeitpflege. Damit lässt sich ein Urlaub oder eine Krankheitspause finanzieren. Mehr im Artikel Verhinderungspflege 2026.
Tagespflege
1 bis 5 Tage pro Woche tagsüber in einer Tagespflege-Einrichtung. Sie haben 6 bis 8 Stunden Ruhe.
Entlastungsbetrag 131 Euro pro Monat
Für Alltagsbegleitung, Haushaltshilfe, ehrenamtliche Helfer. Detailregelungen im Artikel Entlastungsbetrag 131 Euro.
Ambulanter Pflegedienst
Sie verlieren nichts an Pflegegeld bei Kombileistung. Sebat oder andere Pflegedienste übernehmen die anstrengenden Aufgaben wie Körperpflege oder Behandlungspflege.
Kurzzeitpflege
Bis zu 8 Wochen pro Jahr vollstationäre Pflege als Pause. Mehr im Artikel Kurzzeitpflege beantragen.
Reha für pflegende Angehörige
Die eigene Krankenkasse zahlt Mutter-Vater-Kind-Kuren und Reha-Maßnahmen. Während der Reha läuft Kurzzeitpflege für die pflegebedürftige Person.
Psychotherapie
Die eigene Krankenkasse zahlt ambulante Psychotherapie. Wartezeiten oft 3 bis 6 Monate.
Selbsthilfegruppen in Frankfurt
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft Frankfurt (für Demenz)
- Diakonisches Werk, Selbsthilfegruppen pflegender Angehöriger
- Pflegestützpunkt Frankfurt vermittelt weitere Gruppen
Wann zum Arzt?
Spätestens bei 6 oder mehr Symptomen sollten Sie einen Termin beim Hausarzt machen:
- Termin beim Hausarzt vereinbaren, mindestens 30 Minuten
- Symptomliste vorbereiten und mitnehmen
- Aktuelle Pflegesituation beschreiben
- Hausarzt fragen nach Belastungs-Tests, Blutdruck, Blutwerte
- Ggf. Überweisung zum Psychotherapeuten oder Psychiater
- Reha-Antrag besprechen, wenn die Erschöpfung anhält
Was Sie selbst tun können
| Strategie | Konkret |
|---|---|
| Tagesstruktur | Feste Aufsteh- und Schlafenszeiten, klare Pausen |
| Bewegung | 30 Minuten täglich Spaziergang, mit oder ohne Pflegebedürftige |
| Schlaf | Mindestens 6 Stunden zusammenhängend, ggf. Mittagsschlaf |
| Ernährung | Regelmäßige Mahlzeiten, viel Wasser |
| Sozialkontakt | Eine vertraute Person pro Woche treffen oder anrufen |
| Pause am Tag | 30 Minuten ohne Pflege, ohne Aufgaben, allein |
| Hilfen annehmen | Nicht alles selbst machen, externe Hilfe nutzen |
| Eigene Vorsorge | Hausarzt-Termine wahrnehmen, Zahnvorsorge, Augenarzt |
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Erschöpfung von Burnout? +
Erschöpfung verschwindet nach Erholungspausen. Burnout bleibt, auch nach Urlaub oder Pausen. Anhaltende Symptome über mindestens 4 Wochen sind verdächtig.
Kann ich Pflege und Reha gleichzeitig haben? +
Ja. Während Ihrer Reha läuft Kurzzeitpflege für die pflegebedürftige Person, finanziert aus dem Verhinderungspflege- oder Kurzzeitpflege-Topf.
Gibt es Krankengeld bei Pflege-Burnout? +
Ja, wenn der Hausarzt Sie krankschreibt.
Bekomme ich vom Arbeitgeber freie Tage für Pflege? +
Ja. Das Pflegezeitgesetz erlaubt bis zu 10 Tage akute Auszeit (Pflegeunterstützungsgeld), 6 Monate Pflegezeit und 24 Monate Familienpflegezeit. Mehr im Artikel Pflegezeit und Familienpflegezeit.
Verschlechtere ich die Pflege, wenn ich Pause mache? +
Nein. Erschöpfte Pflegende machen mehr Fehler. Eine Pause stabilisiert die Pflege langfristig.
Was tun bei Suizidgedanken? +
Sofort 112 oder 116 117 anrufen oder die nächste psychiatrische Notaufnahme aufsuchen. Telefonseelsorge (kostenfrei, 24 Stunden): 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Wo finde ich Hilfe in Frankfurt? +
Hausarzt, Pflegestützpunkt Frankfurt, Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände, Sozialdienst des Klinikums, Psychotherapeutische Ambulanz Goethe-Universität.
Sebat entlastet pflegende Angehörige
Wir sind oft die erste konkrete Entlastung. Mit Verhinderungspflege übernehmen wir bei Urlaub oder Krankheit, mit Pflegesachleistung Routineaufgaben, mit Behandlungspflege medizinische Versorgung.
Stand Juli 2026 · Bei akuter Krise Telefonseelsorge 0800 111 0 111, ärztlichen Notdienst 116 117 oder Notaufnahme. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.



